Prototyp Wohnen
Prototyp Wohnen ist ein experimentelles Forschungs- und Umsetzungsprojekt zur Frage, wie innerstädtisches Wohnen durch nachbarschaftlich genutzte Extraräume ergänzt und neu verschaltet werden kann. Ausgangspunkt ist die Hamburger Altstadt, ein Gebiet im Umbruch, geprägt von strukturellem Leerstand, wenigen, eher kleinen und vereinzelten Wohnlagen und daher einem Mangel an zum Wohnen dazugehörenden Infrastrukturen.
| Ort | Hamburg |
|---|---|
| Auftraggeber:in | Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen |
| Kooperationspartner:in | Altstadt für Alle! e.V.| ArchitekturSalon Hamburg |
| Zeitraum | 2024 – 2025 |
| Status | Abgeschlossen |
| Kategorie | Architektur, Prozessgestaltung, Teilhabe, Wohnen |

Als räumliches Experimentierfeld dient der Laden 4 auf der Cremon-Insel – eine zuvor leerstehende Erdgeschossfläche eines kommunalen Wohnungsunternehmens. Im Rahmen des Programms Verborgene Potenziale Innenstadt wird die Fläche von der Arbeitsgemeinschaft bestehend aus projektbüro, Altstadt für Alle! e. V. und dem ArchitekturSalon Hamburg in eine minimal ausgestattete, flexibel nutzbare Infrastruktur transformiert: ein extra Raum, der das Wohnen jenseits der eigenen Wohnung erweitert.
Statt eines festgeschriebenen Programms wird der Laden 4 als offene Minimalstruktur verstanden. Architektur, Möblierung und Ausstattung sind bewusst reduziert und reversibel angelegt, um unterschiedliche Performanzen aufnehmen zu können. Parallel zur baulichen Transformation wurden Situations- und Kontextanalysen, Raumreporte mit Bewohnenden sowie Recherchen zu Referenzprojekten durchgeführt. Auf dieser Grundlage entstanden drei zeitlich begrenzte, prototypische Nutzungen, die jeweils für sechs bis acht Wochen erprobt und ausgewertet wurden.
Eine Art Wohnküche unter der Leitung von Gioanna Scarlini, Köchin, untersuchte, wie alltägliche Praktiken des Kochens und Essens in einen gemeinschaftlich geteilten, urbanen Raum übersetzt werden können. Eine Art Bewegungs-, Sport- und Entspannungsstudio unter der Leitung des Tybas Dance Studios erprobte Bewegungs- und Gesundheitsangebote als soziale Stabilisatoren im Quartier. Mit dem Cinema Cremon unter der Leitung von Daniel Hopp, Künstler und Filmemacher, wurde gemeinschaftliche Filmkultur als Bestandteil innerstädtischen Wohnens getestet. Alle Prototypen waren ko-produktiv angelegt: Programm, Ablauf und Weiterentwicklung im laufenden Verfahren entstehen im Austausch mit den Bewohnenden.
Im Verlauf des Projekts zeigte sich, dass der Laden 4 weit über den Status eines Forschungssettings hinauswächst. Er wurde zu einer alltäglichen Infrastruktur für private Feiern, Treffen, Initiativen und externe Nutzungen – ein Ort, der Bedürfnisse aufnimmt, die weder durch den Wohnraum noch durch institutionelle Angebote abgedeckt werden. Nutzerwissen entsteht dabei nicht abstrakt, sondern im Alltag: durch kontinuierliche Präsenz, Aushandlung und gemeinsames Lernen.Prototyp Wohnen versteht Architektur nicht primär als Formgebung, sondern als soziale und räumliche Ermöglichungsstruktur. Das Projekt liefert Erkenntnisse zur Transformation innerstädtischer Erdgeschosse, zur Verstetigung gemeinschaftlich genutzter Räume und zu neuen Governance-Modellen des Wohnens. Ziel ist es, die gewonnenen Erfahrungen für die Hamburger Altstadt und für andere innerstädtische Lagen im Wandel übertragbar zu machen.
Prototypen


















Transformation












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Cremon-Insel















Verfahren























